01.10.2006, 19:55
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#1
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Stellv. Chefredakteur
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Die neue deutsche Rechtschreibreform - Geplanter Wahnsinn?
Sie kam unverhofft, aber heftig. Die deutsche Rechtschreibreform zerstörte lang studierte Schreibweisen, Regeln und Angewohnheiten mit einem Schlag. Jahrelang wurde diskutiert, demonstriert und massakriert mit einem Ziel: Immer mehr Menschen fordern die Rücknahme der Reform, darunter sogar führende Politiker wie Christian Wulff. Tatsächlich wurden auch schon zahlreiche Regeln gestrichen, wodurch Millionen von voreilig gedruckten Schulbüchern wertlos wurden. Wir von gamaXX wollen Ihre sinnlosesten Regeln wissen und schauen, was die Reform in Deutschland so alles angerichtet hat.
Die Bundesrepublik lebt seit Jahren in einer literarischen Grauzone. Nichts ist so richtig falsch, aber eigentlich weiß auch niemand mehr so genau, was denn wirklich richtig ist. Die Rechtschreibung vieler Bürger ist heute ein Flickenteppich von Halbwahrheiten und Ungewissheiten, wovon sich kaum jemand herausnehmen kann.
Auch ich bin ein potenzielles Opfer der neuen Regeln. Bis zur achten Klasse lernte ich die alten Regeln, als plötzlich in der neunten Klasse alles anders wurde. Seitdem versuche ich das mühsam Erlernte zu vergessen und mir die neue Rechtschreibung anzueignen. Jetzt aber tröten die Trompeten und auf einmal schallt es aus allen Ecken: Kommando zurück, alle Regeln rückgängig machen! Verzweiflung pur, was ist nun richtig? Ein Rückrudern ist allerdings nicht mehr vollständig denkbar, immerhin sind einige Regeln bereits gesellschaftlich akzeptiert und in dem deutschen Wortschatz verankert.
Die Reform kam jedoch nicht von Heute auf Morgen. Schon 1788 wurde von Johann Christoph Adelung die Schrift „Vollständige Anweisung zur Deutschen Orthographie“ verfasst. Seitdem hat sich einiges getan. Für Interessenten gibt es auch eine Übersicht über die Geschichte der Rechtschreibung unter diesem Link. Trotz geschlossenem Widerstand im Bundestag, setzte die Bundesregierung die Reform ignorant durch, so dass diese am 1. August 1998 offiziell in den Schulen eingeführt wird. Bis zum 31.07.2005 wurde eine Übergangsfrist zum „Erlernen“ der neuen Regeln eingeführt. Was aus dieser Frist geworden ist, wissen alle Beteiligten (über 80 Millionen Deutsche und noch mehr Deutschschreibende weltweit) nur zu genau: In 14 von 16 Bundesländern tritt die Reform eingeschränkt in Kraft, zwei Bundesländer führen die Rechtschreib-Anarchie fort, bis alle Regeln geklärt sind. Ganz nebenbei: Wie schnitten deutsche Schüler in der Pisa-Studie bezüglich der Rechtschreibung ab? International ziemlich schlecht. Warum? Vermutlich ist die Ungewissheit über das eigene Schreiben der Knackpunkt. Selbst ehemalige Mitglieder der Kommission für die Reform vergeben die Note Mangelhaft für ihr eigenes Werk. Der ehemalige Duden-Chef Professor Günther Drosdowski sieht die Reform als „ein Trauerspiel, das die Sprachgemeinschaft jetzt ausbaden“ müsse. Armes Deutschland!
Nun sind Sie dran! Was für Erfahrungen haben Sie mit der Rechtschreibreform gemacht und was sind Ihrer Meinung nach die sinnlosesten Regeln?
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wer weiß es besser als der Tester?
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01.10.2006, 23:34
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#2
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Als Ex-Student der Sprachwissenschaften kann ich da ein par Hintergrundinfos einstreuen. Zunächst mal wurde ein Staatsvertrag zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz abgeschlossen. Mit diesem wurde festgelegt, dass eine Kommission prüfen sollte, in wieweit die Rechtschreibregeln noch der tatsächlichen Sprache entsprächen. (Mein Lieblingsbeispiel: Vor der letzten Rechtschreibreform gab es keine einheitliche Regel für die Verwendung von Doppel-s und ß. Und da halte ich Doppel-s nach kurzem Vokal, ß nach langem Vokal und nach Diphtongen für einen der größten Vorschläge, der sich in den Reformvorschlägen fand.)
Besagte Kommission entwarf dann entsprechend des Auftrags eine Sammlung an Vorschlägen, die aber nicht fest übernommen werden, sondern in der Praxis darauf geprüft werden sollten. (Was in der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen wurde; anstatt dessen erhoben sich mit einem Schlag Personen, die das Wort Linguistik nicht mal kennen und spielten sich als Fachleute der Sprachwissenschaft auf.)
Weiterhin war vereinbart, dass die Hintergründe der einzelnen Änderungen nicht publik gemacht werden sollten, damit sich jeder darauf konzentrieren konnte, zu schauen, ob die einzelnen Änderungen sinnvoll wären oder nicht. Verschiedene Redaktionen ignorierten diese Vereinbarung. (Gerade die Duden-Redaktion sollte man auf den Mond schießen: Nicht nur, dass sie wirklich alles veröffentlichten, was sie in die Finger bekamen um den Profit zu steigern: In der aktuellen Ausgabe des Dudens werden teilweise Rechtschreibregeln schlicht ignoriert.)
Nachdem besagte Kommission somit bei ihrer Aufgabe behindert wurde und in der Öffentlichkeit als Sprachfeinde diffarmiert wurden, haben im Laufe der Zeit sämtliche ursprünglichen Teilnehmer das Handtuch geschmissen. Und dementsprechend sitzen da mittlerweile nur mehr Leute drin, die an der Entstehung des Ganzen nicht mitgewirkt haben. Es wäre deutlich intelligenter gewesen, das Projekt erst einmal zum Abschluss zu bringen und die Ergebnisse zu kritisieren als mitten in der Arbeit rumzunörgeln. (Das gilt vor allem für gewisse Zeitungen, die zunächst mal darauf beharrten, die alten Rechtschreibregeln in Anwendung zu bringen und dann dadurch auffielen, dass ihre Autoren sie gar nicht beherrschten.)
Es ist überhaupt keine Frage, dass die ursprünglichen Reformvorschläge teilweise unpassend waren; das ändert aber nichts daran, dass Sprachen sich im Laufe weniger Jahrzehnte teilweise radikal ändern und dementsprechend Teile der offiziellen Regeln irgendwann nichts mehr mit der Sprache gemein haben. (Wer weiß, warum die Worte "Segensreiche" und "Neige" sich bei Goethe gereimt haben, wohingegen heute jeder Lehrer seine Schüler bei einem entsprechenden Reim mit einer 6 beehren würde, weiß das zumindest intuitiv.)
Ich gehöre ebenfalls zu den Leuten, die zunächst die alte und später die neue Rechtschreibung lernen und beherrschen mussten. Obwohl ich bei beiden jeweils recht gute Noten hatte (zuletzt im Leistungskurs der Oberstufe), ziehe ich die neue Rechtschreibung aus einem einfachen Grund vor: Sie ist in einigen Bereichen logischer und näher an der gesprochenen Sprache. (Und das macht es sowohl einfacher sie zu nutzen als auch die Sprache zu lernen.)
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02.10.2006, 07:39
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#3
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Redakteur
Registriert seit: 13.05.2006
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Beiträge: 121
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Sollte die Einfachheit der neuen Rechtschreibung tatsächlich Grund für deren Einführung sein? Sollte die Vereinfachung der Sprache etwa als Ziel der Reform dienen? Ist die deutsche Rechtschreibung überhaupt reformbedürftig?
Drei Fragen, eine Antwort - Nein!
Als jemand der die neue Rechtschreibung erst in der Oberstufe erlernen musste hatte ich im Grunde nie Probleme mit der "klassischen" Schreibweise.
Warum sollte "Grafik" logischer sein als "Graphik"... Welchen Lernaufwand bedarf es bitte sich einzuprägen das "ph" phonetisch einem "f" entspricht?
Wie schwer ist es sich einzuprägen, daß der gleiche Buchstabe maximal zwei Mal hintereinander geschrieben wird... (bsp. Schifffahrt). Wo liegt das Problem mit dem ß?
Das ein Land, welches sich im Rahmen der Pisa Studie, bis auf die Knochen blamiert hat, auch im puncto Rechtschreibung seine Probleme hat liegt doch auf der Hand..... Zieht eure Lehren daraus und begrabt das Tier ... es ist tot; zuckt nur noch.
"ain hoch aof di modeane, logische sprachä - di is imo nemlich vil ainfacha"
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02.10.2006, 09:16
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#4
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Registered User
Registriert seit: 29.09.2006
Beiträge: 26
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Zitat:
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Zitat von gX|Sdtmog
Sollte die Einfachheit der neuen Rechtschreibung tatsächlich Grund für deren Einführung sein? Sollte die Vereinfachung der Sprache etwa als Ziel der Reform dienen? Ist die deutsche Rechtschreibung überhaupt reformbedürftig?
Drei Fragen, eine Antwort - Nein!
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Zu den Fragen 1 & 2 ist Deine Antwort richtig. Die Vereinfachung war nie der Gedanke der Reform, sondern die Anpassung an die gesprochene Sprache. Der erste Grundsatz, aufgrund dessen eine Rechtschreibung festgelegt wurde (das ist nämlich eine Festlegung bzw. Übereinkunft, kein fixes Modell, dass übernommen wird) lautet: Schreibe wie Du sprichst. Und in der Hinsicht kannst Du Dich freuen, dass die Reformen nicht weiter gegangen sind. Es gibt beispielsweise ein Element der deutschen (Aus-)Sprache, dass sich Auslautverhärtung nennt. Aufgrund dessen müssten die meisten Wörter, die auf d enden mit t geschrieben werden. (Das Wort "und" ist da ein gutes Beispiel für. Wenn Du's nicht glaubst: Genau wegen dieser Auslautverhärtung fallen wir meist sofort als Deutsche auf, wenn wir Englisch oder Französisch sprechen; dort gibt es das nicht.)
Zu Frage 3 ist Deine Antwort falsch: Wenn eine Rechtschreibung nicht der gesprochenen Sprache entspricht, dann ist sie reformbedürftig. (Wie gesagt: Sinn einer Rechtschreibung sollte stets sein, dass das geschriebene Wort dem gesprochenen entspricht.) Und jede Sprache entwickelt sich weiter. Genitiv und Konjunktiv sind zwar recht gute Sachen, aber in der gesprochenen Sprache kommen sie leider kaum mehr vor. (Genauso wie heute immer mehr Leute "kaum noch" anstelle von "kaum mehr" sagen.) Wenn sich das entsprechend fortsetzt, bis sie schließlich von niemandem mehr gesprochen werden, dann ist das zwar schade, aber es wäre dann lebensfremd, sie Kindern und Jugendlichen beizubringen, nur weil sie mal irgendwann Bestandteil der Sprache waren. Und in einem Zeitraum von 100 Jahren verändert sich eine Sprache soweit, das einzelne Teile eben nicht mehr darin vorkommen. (Da ich vor 100 Jahren nicht gelebt habe und kein Sprachwissenschaftler mit 20 Jahren Berufserfahrung bin, kann ich Dir da kein Beispiel nennen.)
Zitat:
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Zitat von gX|Sdtmog
Als jemand der die neue Rechtschreibung erst in der Oberstufe erlernen musste hatte ich im Grunde nie Probleme mit der "klassischen" Schreibweise. Warum sollte "Grafik" logischer sein als "Graphik"... Welchen Lernaufwand bedarf es bitte sich einzuprägen das "ph" phonetisch einem "f" entspricht?
Wie schwer ist es sich einzuprägen, daß der gleiche Buchstabe maximal zwei Mal hintereinander geschrieben wird... (bsp. Schifffahrt). Wo liegt das Problem mit dem ß?
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Gegenfrage: Wozu soll man sich an Regeln halten, die keinen praktischen Nutzwert haben? Ist es nicht sinnvoll, Gelerntes zu hinterfragen und im Falle der Sinnlosigkeit zu reformieren? Oder wollen wir an allem festhalten, was irgendwann mal sinnvoll und (vielleicht sogar) schön war?
Du sprichst hier an, dass Du in der Oberstufe erst die neue Rechtschreibung erlent hast (genau wie ich, wobei ich das Abitur auf dem zweiten Bildungsweg erreicht habe). Und ich erinnere mich noch gut an das Getöse um die Thematik. Natürlich sieht "Schifffahrtsmuseum" erstmal idiotisch aus, wenn man sich an die alte Schreibweise gewöhnt hat, aber es ist einfach sinnvoller bzw. bei der Worttrennung näher an den Wörtern, aus denen es sich zusammen setzt.
Zitat:
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Zitat von gX|Sdtmog
Das ein Land, welches sich im Rahmen der Pisa Studie, bis auf die Knochen blamiert hat, auch im puncto Rechtschreibung seine Probleme hat liegt doch auf der Hand..... Zieht eure Lehren daraus und begrabt das Tier ... es ist tot; zuckt nur noch.
"ain hoch aof di modeane, logische sprachä - di is imo nemlich vil ainfacha"
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Woran liegt es denn wohl, dass wir uns bei der Pisa-Studie blamiert haben? An Unmengen von Reformen, durch die der Schulalltag zum Chaos wurde? (Vor zwei Jahren gab es in einem Bundesland im Fach Geschichte immer noch die Prüfungsfrage "Ist eine Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten noch möglich?") Lag es nicht vielmehr daran, dass bei uns im Unterricht seit Jahrzenten nur noch gelegentlich die Inhalte geändert wurden? Die Pisa-Studie testete nicht einfach nur das Wissen, sondern die Fähigkeit Wissen anzuwenden. Und da bei uns vorrangig stupide auswendig gelernt wird, sind wir bei Pisa durchgerauscht. Und weiterhin: Warum haben denn viele Menschen hierzulanden Probleme mit der Rechtschreibung? Wie wäre es mit der Begründung, dass diese Regeln teilweise nicht mehr viel mit der gesprochenen Sprache gemein haben? (Und ich rede hier nicht vom Personenkreis "Ich gehe Karstad. Muss kaufen Essen." Auch wenns die am stärksten betrifft.)
P.S. Solltest Du einmal die Möglichkeit dazu haben, dann empfehle ich Dir die Vorlesungen "Einführung in die englische Linguistik", "Einführung in die deutsche Linguistik" und "Einführung in die mittelhochdeutsche Sprache". Denn dadurch bekommst Du einen guten Eindruck davon, wo (vorrangig) in unserer Rechtschreibung sinnvolles und weniger sinnvolles steht. (Was ist beispielsweise sinnvoller: Das Wort "Apfelbaum" getrennt zu schreiben oder (wie die Engländer bei "apple tree") getrennt? Wenn eins davon richtig ist, kann das andere doch nur falsch sein, oder?!)
P.P.S. Dein letzter Satz war übrigens fast schon recht nahe am Mittelhochdeutschen.
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02.10.2006, 15:29
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#5
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Stellv. Chefredakteur
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Hey MarnumStar,
deine Ausführungen sind sehr interessant, um es auch mal aus der Sicht eines "Aufgeklärten" zu hören. Es ist nur schade, dass man anscheinend erst einmal Sprachwissenschaften studieren muss, um den ungefähren Sinn der Reform zu verstehen. Da wurde in der Vergangenheit einfach zu wenig von Politikern und Lehrern kommuniziert!
Aber anders betrachtet hatten wir noch das Glück die neuen Regeln in der Schule noch einmal "beigebracht" zu bekommen. Der Großteil der deutschen Bevölkerung hatte dies nicht. Oder ist es nur unsere Generation, die sich über die Reform aufregt? Wie sehen das die älteren und die jüngeren?
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wer weiß es besser als der Tester?
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02.10.2006, 18:22
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#6
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Zitat von gX|Tobe
Hey MarnumStar,
... Es ist nur schade, dass man anscheinend erst einmal Sprachwissenschaften studieren muss, um den ungefähren Sinn der Reform zu verstehen.
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Ach, so wirklich viel von dem, was ich da geschrieben habe, ist ja nicht rein sprachwissenschaftlich, manches wusste ich einfach dadurch, dass unser Dozent (dessen früherer Professor selbst in der Reform-Kommission saß) uns das ein oder andere erzählt hat. Es würde mich sehr wundern, wenn das nicht sogar in der Presse stand; nur eben nicht auf Seite 1, sondern irgendwo weiter hinten, wo es kaum jemand liest.
Zitat:
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Zitat von gX|Tobe
Da wurde in der Vergangenheit einfach zu wenig von Politikern und Lehrern kommuniziert!
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Das ist denke ich das Hauptproblem (nicht nur in diesem Bereich): Anstatt sich mit neuen Themen auseinander zu setzen, wird ersteinmal platt vom Leder gezogen, dass Reform X "dem kleinen Mann" seine Rechte nimmt. Und ich denke, dass genau hier der Haase im Pfeffer liegt: Anstelle von Aufklärung, Pragmatik und Programmatik steht mittlerweile bei den meisten Personen des öffentlichen Lebens nur noch die Polemik im Mittelpunkt der eigenen Reden. (Denk mal ans Dosenpfand: Eingerichtet von der CDU, waren es CDUler, die am lautesten dagegen protestierten, als es von der SPD umgesetzt wurde... Aber da lassen sich entsprechende Beispiele für alle Parteien finden.) Dumm nur, dass das eine Entwicklung ist, die nicht auf Parteien beschränkt ist (denn dann könnte man ja tatsächlich die hirnverbrämte Position rechter Parteien übernehmen und "den Bonzen" eins auf den Deckel geben) sondern sich mittlerweile quer durch die Gesellschaft zieht: Alles sehen vorrangig die Probleme und kaum einer die Möglichkeiten. (Nein, ich bin kein Ikea-Vertreter.  )
Zitat:
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Zitat von gX|Tobe
Aber anders betrachtet hatten wir noch das Glück die neuen Regeln in der Schule noch einmal "beigebracht" zu bekommen. Der Großteil der deutschen Bevölkerung hatte dies nicht. Oder ist es nur unsere Generation, die sich über die Reform aufregt? Wie sehen das die älteren und die jüngeren?
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Ich denke mal, dass diejenigen, die über 70 sind da noch die wenigsten Probleme mit haben, die mussten ja schon Reformen über sich ergehen lassen. Schau mal nach Sütterlin (oder wie sich der Schriftsatz schreibt): So mussten die in ihrer Kindheit schreiben. Aber alle, die nach 45 geboren wurden dürften da recht angep... gewesen sein. Denn wie Du ganz richtig festgestellt hast: Mit dem Wunsch nach Aufklärung hat doch praktisch niemand seine Reden über die Rechtschreibreform geführt. (Selbst eine Germanistik-Dozentin, bei der ich in der Vorlesung saß bezeichnete das ganze als kompletten Humbug... näher erläutert hat sie ihre Position dann aber nicht.)
Letztlich denke ich, dass da in zehn Jahren kein Hahn mehr nach krähen wird, so wie es mit allen Reformen hierzulande ist: Erst werden sie von den einen in den Himmel gelobt, von den anderen teuflisch verdammt, dann wird ein par Jahre lang drum gerungen und ein paar Jahre später sagt kein Mensch mehr was dazu. (Wer redet heute noch über den Wechselkurs, zu dem Ost-Mark in D-Mark umgetauscht wurde... Oder über die oben genannte Einführung des Dosenpfands...) Eigentlich schade...
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