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Alt 22.11.2006, 23:31   #1
gX|Tobe
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Von Sucht, Gesellschaft und Killerspielen

In Deutschland wird ja bekanntlich viel geredet – auch wird des Öfteren einiges tot geredet, wie die aktuelle Diskussion über die so genannten „Killerspiele“ beweist. Auffällig ist dabei, dass zum großen Teil ahnungslose Moralapostel befragt werden und die Finger fein säuberlich von der spezialisierten Presse gelassen werden – man könnte sie sich ja verbrennen. Insgeheim muss man sich doch fragen, warum? Ist es so schlimm, dass man eventuell seinen Sündenbock verlieren könnte?



Lesen Sie unsere Kolumne zu diesem Thema und diskutieren Sie mit!
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wer weiß es besser als der Tester?
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Alt 23.11.2006, 07:24   #2
gX|Sdtmog
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Ja, aber...

Im Grunde kann ich nur zustimmen, doch beschleicht mich ein Verdacht ganz erheblich. Im gleichen Maße wie Medien und Politik sich die Spiele-Industrie als Sündenbock auf die Fahnen gestickt haben, wehren sich Gamer und Offizielle der Branche mit den gleichen Floskeln bezogen auf Kunstbegriffe wie "Gesellschaft", "Erziehung daheim" etc; Oftmals erscheint mir das ebenso oberflächlich, plakativ vor allem wenig konstruktiv. Beide Parteien haben keine weiße Weste an - So wie die Politik versagen mag, schüren die Medien zwar nicht die Ursachen der Probleme, doch aber ihre Auswüchse, denn ganz sind die Parallelen zwischen den Vorfällen und verschiedenen Medien wie Film und Spiel, nicht von der Hand zu weisen. So ehrlich müssen wir schon uns selbst gegenüber sein.

Statistisch (wenn aufgrund subjektiver Faktoren auch schwierig) ist jedoch belegbar, daß sowohl das Schulsystem, als auch die Erziehungsstile der letzten Jahrzehnte (Ausnahmen bestätigen ja bekanntlich die Regel), die so oft beschworene "Unmenschlichkeit" und "Kaltherzigkeit" in weitaus größerem Maße aufwiesen. Ebenso war es, gerade nach dem Zerfall des Ostblockes, vor rund 15 Jahren sehr einfach an Waffen zu kommen.
Trotzdem scheinen Vorfälle wie dieser ein verstärktes Phänomen der letzten 8-10 Jahre zu sein. Sicherlich gab es auch vorher Amokläufe - nicht aber in dieser Verbindung : Tätergruppe und Häufigkeit.

Ich finde es schlichtweg erschreckend wieviele Experten zu diesen Vorfällen zu Rate gezogen werden - selbst wenn man den Medien Stellungnahmen entnehmen kann, so entweder von Vertretern politisch-motivierter Gruppen (manche nennen sie auch Parteien) oder irgendwelcher Verbände wie Eltern-gegen-Gewalt e.V., deren Ziele zwar über alle Zweifel erhaben sein mögen, deren Sachverstand in diesem Falle wohl aber so ausgeprägt ist wie Axel Schluz' Siegeschancen am Samstag. Vielmehr läuft alles darauf hinaus, daß man der betreffenden (vermeindlich gefähredeten) Gruppe eine Lobby verschafft, die eher anziehend als abschreckend wirkt. ("Boah das könnte ICH sein und ganz Deutschland würde MIR Beachtung schenken")...

Meine Meinung... zerfetzt mich!
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Alt 23.11.2006, 14:26   #3
Mito
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Das Problem ist aber, wie es mir erscheint, dass unsere politik irgendeinen Sündebock für diese Amokläufe braucht.
Und, da nun in den sogenannten "Killerspiele" ein gewisses Gewalt-Potenzial besteht, kann man diese Spiele doch wunderbar als den Schuldigen betrachten.
Ich bezweifle auch gar nicht, das bei manchen Menschen, Ego-Shooter und Killerspiele ein wenig den Charakter verändern...
Jedoch ist für mich der viel entscheinder Faktor das Umfeld der "Amokläufer".
Ich beziehe mich nicht ausschließlich auf die Famile und die daraus resultierende Erziehung, sondern besonders auf dass benehmen der Mitschüler und Lehrer.
Es ist und war sicher bekannt, das Sebastian B. von seinen Mitschülern ausgeschlossen und gemobbt wurde. Und solche Taten, können einen Menschen zu einem "Irren" machen.
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Sein oder nicht sein...
oder Mito...

Whatever...
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Alt 23.11.2006, 21:36   #4
gX|Sdtmog
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Aber gibt es nicht einen entscheidenden Unterschied zwischen diesem "Irre werden" und einem Amoklauf?

Das meinte ich auch mit der Verantwortung der Medien (aller Medien - von Printmedium, über Film- bis Musikindustrie). Heutzutage ist unsere Gesellschaft bessessen vom Held-sein oder zumindest etwas besonderes sein. Früher gab man sich wenn man in einer deprimierenden Situation, in einer Sackgasse des Lebens war, dem Alkohol hin, oder wählte im Extremfall den Freitod.
Tja heute reicht sowas nicht mehr - da muss man mit dem cineastisch inszenierten "Big Bang" aus dem Leben scheiden um im gewünschen Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen. Und das dies eher von Medien ... damit meine ich ausdrücklich nicht nur die Copmuterspiele, als
einem unterfinanzierten Schulsystem beeinflusst wird liegt doch auf der Hand.
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Alt 14.12.2006, 17:44   #5
gX|Heimdall
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Da wir alle gerade so schön über DIE MEDIEN und DIE POLITIK meckern und herziehen wollte ich mal was loswerden. Medien wie Politik sind nicht so wie sie sind weil sich ein Guru gedacht hat, "Okay dann lassen wir halt mal soviel Blut fliessen in Filmen wie es nur geht" oder "Ach vernachlässigen wir mal die Bildung". Die Menschen verlangen viel Blut, ja sie dürsten danach. Warum haben Filme wie Hostle oder Saw 1 und 2 Rekorde eingefahren? Weil es die menschlche Perversion Folter und Tod sehen will. Das wunssten auch die Cesaren in Rom schon und die Könige im Mittelalter. An diesem Denken hat sich so gut wie nichts geändert, auch wenn wir so tun als wären wir alle ach so aufgeklärt und sooo unglaublich rational. Das ist Selbsttäuschung vom Feinsten. Die Politik versucht viel im Zaum zu halten, aber mal ehrlich. In einer Demokratie geht es auch darum das sich die MEnschen untereinander helfen achten etc. Die Politiker sollten nur RAhmen schaffen in denen unsere psychische wie physische Existenz gesichert wird. uNd verdammt nochmal das haben sie mit dem Grundgesetz und den MEnschenrechten. Ich habe einafch das Gefühl das viele Leute mit der Individualisierung nicht klar kommen und unter zuviel Eigenverantwortung zusammenbrechen. Wenn soviel falsch läuft, warum werden dann viele Besserwisser nicht politisch aktiv? Klar das hat was mit Kontroversen zu tun und mit Hindernissen. Das bedeutet Arbeit und Stress aber das will amn nicht. Sündenbock: DIE Politik und DIE MEDIEN. Nur was wir verschweigen ist, das sie Spiegelbilder unser selbst sind, vom Einzelnen bis hin zum Kollektiv.
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Alt 16.12.2006, 11:18   #6
gX|Sdtmog
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Sicherlich wäre ein wenig Eingeninitiative angebracht. Aber in unserer Demokratie trösten wir uns halt damit diese an der Wahlurne einzubringen. Warum schaffen wir uns denn unzählige Körperschaften und Institutionen? Wir erwarten, daß sie unsere Interessen vertreten und selbstverständlich uns die Bürde abnehmen dies durch den Einsatz unserer Zeit und Energie wett zu erreichen. Das ist genauso wenig verwerflich wie eine diffus vorgetragene Kritik, wenn man das Gefühl hat das die selsbt bestimmten Vertreter versagen. Genauso kann ich der Masse der aktuellen Kritiker nicht vorwerfen, daß sie die Medien zur Verantwortung ziehen wollen. Die beunruhigte 45 Jährige Mutter hat SAW bestimmt nicht zu einem sensationellen Kinoerfolg verholfen. Sicherlich begeistern sich große Teile, insbesondere der Jugend, an visueller Gewalt, doch stellt sich die Frage wie genau dieses Problem entsteht. (in meinen Augen ist es das zumindest ) Begeistern sich Menschen tatsächlich von "Natur aus" für blutrünstige, Menschenverachtende Spektakel oder hat dies nicht auch irgendeinen Sozio-Psychologischen Hintergrund? Zauberwort: Instrumentalisierung... nur so ein Paar Gedanken.
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Alt 16.12.2006, 11:44   #7
gX|Scraver
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Ich kann die Argumentation von gX|Heimdall durchaus nachvollziehen. Denn wenn man sich beispielsweise heutzutage Wrestling anschaut, muss man sich auch fragen, warum das so eine große Fangemeinde hat. Jeder weiss, dass das alles gestellt ist und die Matches schon von vornherein abgesprochen sind, aber trotzdem erfreut sich Wrestling bester Beliebtheit. Woran liegt das? Ich denke mal, dass es mit Sicherheit mit einer Art Naturtrieb zu tun hat, der aber im Laufe der Entwicklung der menschlichen Gesellschaft immer mehr unterdrückt wurde. Denn klar: wer Gewalt anwendet, wird dafür gerechterweise auch bestraft. Und um quasi nicht vollständig auf solche Erfahrungen zu verzichten, schaut man sich eben solche Filme an oder spielt solche Videospiele. Wenn man sich mal ganz objektiv so manchen Shooter ansieht, ist die Frage durchaus berechtigt, warum denn Leute sowas spielen wollen. Meiner Meinung nach ist es eben eine Art Veranlagung in der menschlichen Psyche, die ausgelebt werden will.
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Alt 16.12.2006, 17:00   #8
gX|Sdtmog
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Ein Psychologe hat es neulich Nacht zumindest so dargestellt:

Diese Art Medien (Filme, Musik etc) sind lediglich eine Art "emotionaler Apotheke", an der wir uns bedienen um einen emotionalen Ausgleich zu schaffen. So nutzen wir z.B. deutlich gewaltbetonte Filme, wie Thriller, Horror- oder Actionfilme um den ereignislosen Alltag, welchen unsere Gesellschaft nur noch erlaubt, auszugleichen. Studien belegen dies wohl insofern, als das besonders Menschen mit einem eher ruhigen Alltag verstärkt diese Medienkonsumieren, während z.B. Polizisten, Berufssportler oder generell Menschen, die sich in ihrer Freizeit "austoben" dies deutlich weniger tun, sondern eher "beruhigende" Medien konsumieren.

Den Gedanken mit dem natürlichen Gewaltpotential und den archaischen Urtrieben (Dominanz etc) hat man wohl weitestgehend über Bord geworfen...
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Alt 22.12.2006, 20:03   #9
S-Markt
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Vor dem Gesetz sind alle Menschen gleich.
Dann müssen auch Fußballspiele verboten werden, denn im direkten Einflußbereich von Fußballspielen sind schon Morde und andere Gewalttaten begangen worden.

Und Fenster. Psychologen sagen, Spanner sind die Vorstufe zu Vergewaltigern.
Man darf diese Menschen nicht der Versuchung aussetzen.
S-Markt ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 23.12.2006, 10:04   #10
mrfloppy77
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Zitat:
Zitat von S-Markt
Vor dem Gesetz sind alle Menschen gleich.
Dann müssen auch Fußballspiele verboten werden, denn im direkten Einflußbereich von Fußballspielen sind schon Morde und andere Gewalttaten begangen worden.

Und Fenster. Psychologen sagen, Spanner sind die Vorstufe zu Vergewaltigern.
Man darf diese Menschen nicht der Versuchung aussetzen.
Dem schliesse ich mich an. In der Musikbranche gibts noch Tausende von Bands zu eliminieren die Gewaltverherrlichende Musik verbreiten. Weiter dann bei Kindermärchen, die triefen oft nur so von Greueltaten: Rotkäppchen, Die sieben Geißlein, Max & Moritz und Struwelpeter...dies alles könnte potenzielle Killer wachsen lassen. Die Bildzeitung sollte auch verboten werden, genauso wie andere Käseblätter, durch intensive Berichterstattung der Amokläufe werden Nachahmungstäter auf Mission gebracht.

Was mich traurig stimmt ist, dass weder Medien und Politik nach den wirklichen Ursachen für Amokläufe fragt. Hat man Angst vor den wirklichen Ursachen die zu solchen Taten führen?
mrfloppy77 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 29.12.2006, 11:15   #11
gX|Tobe
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Das ist ganz typisch für die Regelsucht der Politik. Diese Menschen wollen alles "verbessern" und "sicherer machen", aber dadurch werden uns allen viel mehr die Hände gebunden und die Gesellschaft wird steril. Gute Beispiele wurden hier genug genannt. Auf einmal soll alles verboten werden, was schon Jahrtausende Bestand hat (Rauchverbot, Erziehungsfreiheit und und und). Tatsache ist doch, dass es Gewalt schon immer gab, weil es in der Natur des Menschen liegt, wie Heimdall schon sagte. Tatsache ist auch, dass der Mensch die Gewalt auch haben möchte. Da ist es doch zu begrüßen, dies am PC auszulassen, als es an anderen Dingen zu praktizieren zu tun. Mich würde generell mal interessieren, ob Computerspieler nicht erheblich weniger Gewalttaten ausüben, als Menschen die dieses Ventil nicht haben.
Ich persönlich nutze solche Spiele auch nicht um mich abzureagieren. Vielmehr liebe ich die Spannung, die diese Spiele bieten und nichts ist spannender als das, was dir an den Kragen möchte.
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gX|Tobe ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 11.01.2007, 14:48   #12
gX|Katinka2000
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Ich fand den Kommentar von gX|Sdtmog sehr interessant, vom Ansatz her auch gar nicht schlecht, wie die Psychologen argumentieren.
In der Sportwissenschaft sind ähnliche Diskussionen entstanden, als ich in einem sportpädagogischen Seminar saß. Dort ging es um die Frage, warum müssen immer mehr Sportler den "Flow" Effekt erleben, mit vielen Argumentationen die darauf hinaus liefen, dass die Gesellschaft uns zu "faulen Hunden" macht, durch Autos, Fahrstühlen, Bürojobs bei denen man nur herumsitzt etc.- den Drang hat aus dieser Gesellschaft ausbrechen zu wollen.

Zitat:
Studien belegen dies wohl insofern, als das besonders Menschen mit einem eher ruhigen Alltag verstärkt diese Medienkonsumieren, während z.B. Polizisten, Berufssportler oder generell Menschen, die sich in ihrer Freizeit "austoben" dies deutlich weniger tun, sondern eher "beruhigende" Medien konsumieren.
Das würd ich allerdings abstreiten. Das man sich mit Sicherheit gerne bewegt, weil die Schule, Studium, Arbeit uns zu Stubenhockern macht, könnte ich völlig nachvollziehen, aber weil mein Alltagsleben zu langweilig ist, will ich gerade deshalb zocken? Nö! *g und ich bin Sportstudentin..
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Tipp vom Chefredakteur:
"Ja, ich bin wirklich weiblich und interessiere mich für Videospiele!"

Eure Katinka
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